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Sind Sie noch im Zeitumstellungs-Jetlag?

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 27. Oktober 2015 - Allgemein, Alte Bräuche, Historische Ereignisse, Wissen

Wenn man durch die Zeitverschiebung mit der Zeit konfrontiert wird, kommt man ja ins Grübeln. Wie sind eigentlich unsere heutigen Zeitzonen entstanden und festgelegt worden?

Die Sonne wandert in 24 Stunden um die 360 Grad des Erdumfangs, das bedeutet, dass sie in einer Stunde 15 Grad weiterwandert – in vier Minuten ist das ein Längengrad. Jeder Längengrad hat also im Prinzip seine eigene, sich nach dem Sonnenstand richtende Uhrzeit, und so wurde es auch bis vor weniger als 140 Jahren noch gehandhabt. So war es in Köln z.B. 26 Minuten später als in Berlin – heute klingt das unvorstellbar.

Mit der Ausbreitung der Eisenbahn und zunehmender Mobilität entstanden hier natürlich Probleme. Zur Erstellung des Fahrplanes war eine Vereinheitlichung der Zeit unausweichlich. So fuhren die Bahnen in Preußen schon seit 1848 nach Berliner Zeit.

Auch in Nordamerika machte der Eisenbahnverkehr quer durch den Kontinent eine Reform nötig und so wurden ab 1883 Zeitzonen verwendet, die sich in Stundenschritten unterschieden und auf dem Meridian der Sternwarte von Greenwich gründeten, der 1884 auch offiziell als internationaler Bezugsmeridian bestimmt wurde.

1891 führten die deutschen und österreichisch-ungarischen Eisenbahngesellschaften Fahrpläne nach Mitteleuropäischer Zeit (M.E.Z.) ein. Diese Zeit wurde am 1. April 1893 schließlich für das gesamte Deutsche Reich gesetzlich festgelegt.

Wenn man heute also im ICE von Berlin nach Köln fährt und das Gefühl hat, es wurde einem Zeit gestohlen, kann das nicht mehr an der Zeitdifferenz, sondern an der Verspätung der Deutschen Bahn liegen.

Die Umstellung auf Sommerzeit gibt es in Deutschland übrigens seit 1916. Bereits ab 1895 wurde das Modell der saisonalen Zeitumstellung in Großbritannien und Neuseeland vorgeschlagen, mit der Umsetzung taten sich die dortigen Gesetzgeber jedoch schwer und so war Deutschland zusammen mit Österreich-Ungarn tatsächlich das erste Land, das die Uhren umstellte. Die Bestimmung lautete: „Der 1. Mai 1916 beginnt am 30. April 1916 nachmittags 11 Uhr nach der gegenwärtigen Zeitrechnung. Der 30. September 1916 endet eine Stunde nach Mitternacht im Sinne dieser Verordnung.“

Der Grund der Einführung, die Energieeinsparung, ist heute übrigens sehr umstritten.  

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