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Rätselhafte Schriften

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 17. Juni 2015 - Allgemein, Wissen

An manchen Tagen stecken wir die Köpfe zusammen und rätseln. Ist das ein H? Ist es ein S? Was für ein Beruf steht in dieser Urkunde? Der Grund dafür ist nicht unser mangelndes Sehvermögen sondern die alten deutschen Schriftarten, die wir tagtäglich in Urkunden, Kirchenbucheinträgen etc. entziffern. Nach den vielen Jahren, die wir nun schon Ahnenforschung betreiben, stellt sich zwar eine Routine ein – aber es gibt nach wie vor extreme Fälle, in denen uns eine schlechte Kopie, verschmierte Tinte oder einfach die besonders krakelige Schrift eines Beamten von vor 200 Jahren an den Rand der Verzweiflung bringt!

Während heute Urkunden mit dem Computer einfach und immer leserlich produziert werden, wurde früher selbstverständlich mit der Feder eingetragen, was festgehalten werden musste. Und das geschah nicht in Druck- sondern in Kurrentschrift, die seit Beginn der Frühen Neuzeit bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts die offizielle Verkehrsschrift im deutschen Sprachraum war.

Nicht zu verwechseln ist sie mit „Sütterlin“– einer Schreibschriftart, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Preußen entwickelt wurde und für Kinder etwas leichter zu erlernen war. 1941 führte das NS-Regime dann die „Deutsche Normalschrift“, da diese nach Meinung Hitlers besser zum „Neuen Zeitalter von Stahl und Beton“ passe. 

Heute sind die Schriftarten der internationalen Nutzung angepasst und die Handschriften verlieren durch Computertastaturen ihre Bedeutung. 

Wann haben Sie zuletzt einen Brief mit der Hand verfasst? Wenn Sie nach einer Herausforderung suchen können Sie sich ja einmal mit der Kurrentschrift versuchen (das Alphabet können Sie hier erlernen: t1p.de/5y4y). Sollten Sie jedoch ein Zeugnis für die Nachwelt in Kurrent hinterlassen wollen, bitten wir Sie im Namen der zukünftigen Forscher: bitte schreiben Sie leserlich!

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