Beyond History Blog

Reisepässe heute und früher

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 22. Februar 2016 - Allgemein, Historische Dokumente, Wissen

Das Wort Pass ist abgeleitet aus dem Lateinischen „passus” (Durchgang) bzw. aus dem italienischem „passo” (Erlaubnis zum Durchgang). Heute findet man im Reisepass der Bundesrepublik Deutschland acht Personaldaten und ein Foto. 

In früheren Zeiten ohne Passfoto musste die Beschreibung deshalb etwas genauer ausfallen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts waren zwanzig einzelne Punkte zu benennen. Name, Alter, Vaterland und Größe der Person und eine genaue Beschreibung der Beschaffenheit von Körperteilen. Die Farbe und Vollständigkeit der Zähne wurde dabei ebenso registriert wie Barthaarstärke und Lippenform. Auch besondere Erkennungsmerkmale wie “hinkend” oder “bucklig” sowie Gewohnheiten und Charaktereigenschaften wurden akribisch vermerkt. Weil sich diese Art der Personenbeschreibung über mehrere Generationen hielt, kann man aus den Reisepässen historischer Persönlichkeiten interessante Details über die Berühmtheiten erfahren. So lässt sich feststellen, dass Johann Wolfgang von Goethe braune Augen hatte und mit 57 Jahren noch nicht vollständig ergraut war.

Wenn Sie heute einen Reisepass beantragen und älter als 24 Jahre sind, bekommen Sie für € 59,00 ein 10 Jahre gültiges Dokument (unter 25 Jahren kostet dies € 37,50 und ist 5 Jahre gültig). Seinen Ursprung hat der Pass im Mittelalter und auch damals musste man als Reisender zahlen.

In den Wäldern und außerhalb der Städte waren früher viele Räuber unterwegs und das Reisen recht gefährlich, daher wurde vom jeweiligen Landesherren ein Geleitsrecht erteilt. Reisenden wurden bei der Durchquerung des Landes bewaffnete Begleiter zur Seite gestellt. Aus diesem Schutz für Fremde wurde vielfach ein Geleitszwang, der mit Abgaben verbunden war und eine erhebliche Einkommensquelle für die Landesherren darstellte.

Da die Anzahl der Reisenden aber stets zunahm und die bewaffnete Begleitung bei Ihrem Landesherren in Lohn und Brot stand und sich die Einkünfte durch diese Gehaltszahlungen schmälerten, wurde bald auf die Begleitmannschaften verzichtet. Die Reisenden erhielten nur noch den Geleitsbrief, der ihnen den Aufenthalt und die ungestörte Durchquerung eines Landes gewähren sollte.

Der Dreißigjährige Krieg stürzte nicht nur zwischen 1618 und 1648 Europa ins Chaos, sondern hatten auch weitreichende Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur darüber hinaus. Dies machte Mitte des 17. Jahrhunderts ein verbindliches Personaldokument notwendig, denn diverse Vagabunden, Bettler und ehemalige Söldner machten nach Kriegsende die Lande unsicher. Man benötigte ein Dokument, um Reisende von Streunenden zu unterscheiden.

Die allgemeine Passpflicht übernahmen die deutschen Staaten Ende des 18. Jahrhunderts von Frankreich. Die Franzosen führten nach der Revolution die Passpflicht ein, um den flüchtenden Adel am Grenzübertritt zu hindern. Ohne einen Pass und die dazugehörige Reiseerlaubnis war somit Reisen nicht möglich, denn die Guillotinen sollten ja nicht einrosten.

Die deutschen Staaten nahmen diese Idee sofort auf, dadurch bekam der Pass mehr die Funktion eines Reisedokumentes. Das preußische Pass-Reglement von 1813 verlangte unter anderem, dass Personen, die sich länger als 24 Stunden an einem Ort aufhalten, ihren Pass der Polizeibehörde zur „Visierung“ vorzulegen hatten.

Mit dem zunehmenden Reiseverkehr, vor allem seit dem Bau von Eisenbahnen, lockerten die meisten Staaten die aufwendigen Kontrollen. Die deutschen Bundesstaaten verzichteten schließlich 1867 ganz auf die Passpflicht.

Wie die meisten Staaten behielt sich auch das Deutsche Reich vor, unter besonderen Umständen, beispielsweise im Kriegsfalle, den Passzwang wieder einzuführen. Dies geschah dann mit Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Personenbeschreibung des Passinhabers musste nun zusätzlich durch ein aktuelles Foto ergänzt werden.

PS: € 59,00 für einen Reisepass ist ganz schön teuer, aber ein Pass kostete einen preußischen Bürger im Jahre 1909 stolze 3 Mark. Der Monatslohn eines Arbeiters lag seinerzeit bei 50 Mark. Wenn man diese Daten umrechnet, läge der durchschnittliche Monatsverdienst heute bei € 983,33…

Bildquelle: data.dm2e.eu/data/place/sbb/kpe_DE-1a_995/Berlin

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare