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„Wir sind hungrig!“ – 3200 Jahre Streik

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 23. Juni 2015 - Allgemein, Historische Ereignisse, Jubiläum

Der Zug kam nicht, die Kita war zu, und Post kommt jetzt auch keine mehr: Das Jahr 2015 scheint zumindest in Deutschland ein Jahr des Streiks gewesen zu sein. Das geschieht zwar zum Leidwesen derjenigen, deren Alltag durch Zugausfälle, Kitaschließungen etc. beeinträchtigt werden. Doch im Kampf für faire Arbeitsbedingungen scheinen manchmal offensichtlich nur drastische Mittel Veränderungen zu erwirken…

Ich dachte ja immer, das Phänomen „Streik“ sei ein Produkt der Arbeiterbewegungen des 19. Jahrhunderts gewesen. Doch weit gefehlt! Offenbar belegen historische Zeugnisse den ersten Streik der Geschichte bereits am 4. November des Jahres 1159 vor Christus! Die Arbeiter, die mit dem Bau der Königsgräber in Theben-West beauftragt waren, legten im 29. Regentschaftsjahr des Pharaos Ramses III die Arbeit nieder, weil sie 18 Tage lang nicht entlohnt worden waren. Ein Papyrus mit der Aufschrift „Wir sind hungrig!“ liegt im Ägyptischen Museum in Turin und erzählt von den ausgebliebenen Getreiderationen. Schon im alten Ägypten also wussten die Menschen, wie sie selbst einen Pharao dazu zwingen konnten, gerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Seither zogen sich Streiks durch die Geschichte; im Jahr 1329 streikten erstmals Arbeiter im Heiligen Römischen Reich, nämlich Gürtlergesellen, nicht weniger als ein Jahr lang! Gürtler sind im Übrigen Metallhandwerker, die kunsthandwerklich arbeiten und beispielsweise Beschläge und Verzierungen anfertigen.

Als Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Industrienation aufgestiegen war, wurden Streiks zu einem Massenphänomen und häufig genutzten Mittel, die Rechte der Arbeiter zu erweitern und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ohne diese Streiks würde es wohl wenige der heute selbstverständlichen Arbeitnehmerschutzgesetze geben…

Was zeigt uns das? Streiks sind lästig, aber leider notwendig. Und sie waren es schon immer! Vielleicht lässt es sich mit dem Blick auf das große Ganze ja noch ein wenig länger mit einem leeren Briefkasten aushalten. Und wenn keine Post kommt, kommen auch keine Rechnungen! 

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