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Friedhof 2.0

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 21. September 2015 - Allgemein, Wissen

In der Ahnenforschung sind Friedhöfe häufig ein wichtiger Hinweis auf Lebensdaten der eigenen Vorfahren. Ein Bild von einem Grabstein ersetzt da schon manchmal aufwendige Recherchen in Archiven! Manche Gräber geben zudem Aufschluss über Verwandte des Verstorbenen, seinen Beruf oder andere Einzigartigkeiten, die uns unsere Ahnen etwas näher bringen können.

Vor allem in der jüdischen Forschung sind Grabsteine eine besonders interessante Quelle. Da im Dritten Reich etliches an Quellenmaterial zur jüdischen Genealogie zerstört wurde, sind die Grabinschriften auf jüdischen Friedhöfen unverzichtbare Hinweise auf ein Erbe, das die Nazis zu vernichten suchten. Ganz abgesehen davon haben jüdische Friedhöfe durch ihre besondere Beschaffenheit oft einen besonderen Reiz auf Besucher.

Generell gibt es mehrere Friedhöfe, die neben ihrer eigentlichen Funktion als Ruhestätte auch andere Besucher anziehen. Diese pilgern etwa zu den Grabstätten berühmter Persönlichkeiten: Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise musste schon Sicherheitspersonal angestellt werden, um Tumulte und Ruhestörungen unter Besuchern des Grabs von Jim Morrison zu unterbinden. Der größte Friedhof Europas, der in Hamburg-Ohlsdorf liegt, ist einer der beliebtesten Naherholungsorte der Stadt und hat parkähnlichen Charakter.

 

Als ich zum Tag des Friedhofs recherchierte, fiel mir auf, dass das Thema unterhaltsamer ist als man zunächst denken könnte. „Entschuldigen Sie, dass ich liegen bleibe“ heißt das Buch der beiden deutschen Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler, das besonders skurrile Grabinschriften und Tendenzen zur Individualisierung der Gräber beschreibt. So werden diese immer bunter und individueller, bieten Platz für die Erwähnung von Hobbies und Charaktereigenschaften oder bieten sogar schon einen Link zu einer Website an – Friedhof 2.0 sozusagen!

Auch hierin spiegelt sich die Geschichte Deutschlands, denn nach der Uniformität des Naziregimes wünschten sich viele Menschen mehr Farbe und Individualismus – in ihrem Leben und danach.

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