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„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – Die Ehe einst und heute

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 02. Februar 2016 - Allgemein, Alte Bräuche, Familie, Traditionen

Am 02. Februar feiern König Willem Alexander und Königin Máxima der Niederlande ihren Hochzeitstag. Diese Hochzeit hatte im Vorfeld für viel Wirbel gesorgt, da Maxima weder adlig war noch die richtige Herkunft hatte. 

Wenn wir heute in der Ahnenforschung auf die Eheschließungen unserer Vorfahren schauen, dann hatte eine Heirat meist wenig mit Liebe zu tun. Während der Dreharbeiten zu "Das Geheimnis meiner Familie" mit Christine Neubauer erläuterte der Historiker Dr. Martin Ortmeier (den Link dazu finden Sie hier), dass nur knapp 2 % der vor 1900 geschlossenen Ehen aus Liebe eingegangen wurden. 

Während in Königshäusern oft aus politischen Gründen in ein anderes Königshaus eingeheiratet wurde, so waren bei der einfachen Bevölkerung eher wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Der Mann brauchte eine Frau, die ihm den Haushalt führte und Kinder gebar. Die Frau brauchte einen Mann, der sie versorgte. Wie immens wichtig solche wirtschaftlichen Überlegungen für die Wahl des Ehepartners waren, lässt sich besonders bei der Wiederverheiratung eines verwitweten Ehepartners veranschaulichen. Gerade, wenn es Kinder oder ein Geschäft aus der ersten Ehe gab, wurde in zweiter Ehe eine Schwester der verstorbenen Frau geheiratet, denn nun mussten ja neben dem Haushalt auch noch die Kinder versorgt werden. Umgekehrt benötigte natürlich eine Witwe mit Kindern einen neuen Versorger und Ernährer in ihrem Haushalt für sich und ihre Kinder.

Ein anderes, häufig zu beobachtendes Beispiel war der Tod des Meisters eines Handwerkbetriebs. Es war gang und gäbe, dass die Witwe einen der Gesellen heiratete, um den Betrieb weiter betreiben zu können. So hat auch so mancher Mittzwanziger die Witwe seines Lehrmeisters geehelicht, die schon weit über 50 Jahre alt war. Erst nach deren Ableben heiratete er erneut - dieses Mal eine junge Frau, mit der er dann eine Familie gründete. 

Wieder ein Beispiel dafür, dass die "gute alte Zeit" vielleicht nicht immer ganz so gut war.

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