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Internationaler Tag der Muttersprache

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 17. Februar 2016 - Allgemein, Alte Bräuche, Feiertage, Historische Ereignisse, Wissen

Die "Muttersprache" ist laut Duden die "Sprache, die ein Mensch als Kind (von den Eltern) erlernt [und primär im Sprachgebrauch] hat". Damit ist Sprache ein kulturelles Gut, das uns von klein auf begleitet und uns gleichzeitig zum Teil einer Familie bzw. Gemeinschaft macht.

Doch Sprache ist nicht gleich Sprache: Insbesondere in der Ahnenforschung lässt sich nachvollziehen, wie sich Sprachen und Schrift im Wandel der Zeit verändern, Begriffe eine neue Bedeutung erhalten oder aber ganz aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Bei der Ahnenforschung stoßen wir immer wieder auf Begriffe, die heute als veraltet gelten: Ließen unsere Ahnen sich im 19. Jahrhundert trauen, begingen sie eine „Copulation“ statt einer „Heirat“. Oder aber es standen bei einer Taufe „Gevatter“ als Taufpaten zur Seite.

Hinzu kommen die einzelnen Dialekte und regionalen Mundarten, die es in jedem Sprachraum gibt und die jede Sprache so vielfältig machen.

Während sich die deutsche Sprache wie viele andere wandelt, drohen andere Sprache gänzlich verloren zu gehen: Nach Einschätzung der UNESCO ist von den rund 6.000 Sprachen, die derzeit weltweit gesprochen werden, die Hälfte von ihnen vom Verschwinden bedroht. Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und um sprachliche Vielfalt zu erhalten, haben die Vereinten Nationen und die UNESCO seit dem Jahr 2000 den 21. Februar als "Internationalen Tag der Muttersprache" ausgerufen.

Die Wahl des 21. Februars als Gedenktag hat übrigens einen historischen Hintergrund: Während die herrschende Schicht in Pakistan Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Urdu sprach, war in West- und Ost-Pakistan Bengali die Muttersprache des größten Bevölkerungsanteils. Nachdem die Regierung beschlossen hatte, trotzdessen Urdu zur Amtssprache zu erheben, formierte sich eine Sprachbewegung, um die bengalische Sprache zu bewahren. So fand am 21. Februar 1952 in Dhaka, der Hauptstadt des damaligen Ost-Pakistan, eine Demonstration gegen den Beschluss der Regierung statt. Bei den Unruhen starben mehrere Menschen.

Dennoch sollte die kulturelle Unterdrückung der Menschen Ost-Pakistans und der bengalischen Sprache noch Jahre andauern. Im Jahr 1971 wurde Ost-Bengalen (das damalige Ost-Pakistan) schließlich in Folge eines Bürgerkrieges von Pakistan unabhängig; es entstand der neue Staat Bangladesch - in ihm ist Bengali bis heute die meistgesprochene Sprache.

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