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Die Weihnachts-Gurke

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 27. Dezember 2015 - Allgemein, Alte Bräuche, Feiertage

Es weihnachtet sehr – und in jedem Land ein wenig anders. Die unterschiedlichen Sitten und Gebräuche zeigen sich auch am Schmuck für den Weihnachtsbaum.

Dass US-Amerikaner Girlanden aus Popcorn basteln, um ihren nicht selten mit allerlei Kitschigem überfrachteten Christmas Tree damit zu schmücken, hat man vielleicht schon mal in einer amerikanischen Filmkomödie gesehen. Auch in deutschen Weihnachtsbäumen hingen neben den bunten Glaskugeln traditionell Lebensmittel: Äpfel, Nüsse, Gebäck, Zuckerstangen – und Gewürzgurken. Wie bitte? Ja, Sie haben richtig gelesen: Gewürzgurken. 

Nach alter Tradition wurde wohl zum Fest eine Gurke im Baum versteckt. Wohl dem, der sie als erstes entdeckte: Ihm stünde ein glückliches neues Jahr bevor. Aber seien Sie beruhigt: Mit Ihrer Verwunderung stehen Sie nicht alleine da. Dieser deutsche Brauch ist wohl mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Dazu, wie die Gurke in den Baum kam gibt es – laut Internet - verschiedene Thesen.

Der ersten Theorie zufolge geht die Sitte auf einen Deutschen namens Hans Lauer zurück, der 1842 in Bayern geboren wurde, später nach Amerika ausgewandert ist und sich dort fortan John Lower nannte. Während des (Bürger-)Krieges geriet er in Gefangenschaft. Er wurde in Andersonville, Georgia inhaftiert. Um seine Gesundheit stand es schlecht, er hungerte. Er bat einen der Wärter darum, ihm vor seinem Tod noch eine Gurke zu besorgen. Der Aufseher hatte Mitleid und besorgte sie ihm – das gab John die Kraft zum Überleben. Aus Dankbarkeit begann er, eine Gurke im Christbaum zu verstecken. 

Theorie 2 führt den Ursprung der Weihnachts-Gurke auf den Spreewald zurück: Dort wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts großflächig Gurken angebaut. Das bescherte der Region großen Reichtum. Rund 250 Kilometer entfernt, im thüringischen Lauscha, befindet sich eine der traditionsreichsten Glasbläsereien. Das kleine Dorf ist für seine hauchdünnen und zerbrechlichen Kunststücke seit 1597 bekannt. 1847 wurden dort die ersten Früchte und Nüsse aus Glas hergestellt, aus denen sich die Christbaumkugeln entwickelten. Als Marketinggag wurde wohl auch die Gurke mit in das Sortiment aufgenommen.

Wer diesen Brauch heute noch ausführt oder andere ungewöhnliche Weihnachtstraditionen mit uns teilen möchte, der melde sich gerne bei uns!

Fröhliche Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

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