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Friedhof 3.0

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 17. September 2017 - Allgemein, Familie, Internet, Persönlichkeiten, Wissen

Bereits zum Tag des Friedhofs 2015 haben wir uns mit der Bedeutung von Grabstätten für die Ahnenforschung beschäftigt. Damals haben wir auch über den Friedhof 2.0 berichtet, der beispielsweise das Anbringen von QR-Codes ermöglicht, über die man auf eingerichteten Gedenkseiten oder auch verlinkte Videos weitere Informationen zum Verstorbenen erhalten kann. Mit voranschreitender Technik geht es aber selbstverständlich auch hier immer Neues.

Heute kann man, ganz ohne optisch oft wenig ansprechende Lösungen wie QR-Codes, standortbezogen mittels GPS Informationen teilen. So gibt es bereits virtuelle Friedhöfe bzw. Apps, die es ermöglichen, direkt vor Ort bei einem Rundgang Informationen zu den Verstorbenen zu erhalten (vergleichbar z.B. mit einem Audio- oder Multimediaguide im Museum). Wessen Grab ist das eigentlich gerade oder wo finde ich das einer bestimmten Person? Auf diesem Wege lassen sich selbstverständlich auch bereits länger Verstorbene digital erschließen, sofern sich denn jemand die Mühe gemacht hat, die Informationen zusammenzutragen. Übrigens sind auch bereits Gräber berühmter Personen, die auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg liegen, online auffindbar. Denkbar ist technisch heute grundsätzlich einiges, bis hin zu digitalen Abbildern der Verstorbenen (Avatare). Womöglich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Augmented und Virtual Reality flächendeckend die Deutschen Friedhöfe erreichen. Ob dies wünschenswert ist, ist eine andere Frage.

Gleichzeitig macht es die heutige Technik möglich, dass sich Angehörige online einen eigenen Familien-Friedhof erstellen können. Dieser kann die Grabstätten der Familienangehörigen virtuell an einem Ort zusammenführen, ganz egal wo die Personen tatsächlich bestattet wurden. Hier können beispielsweise die entsprechenden Gedenkseiten angesehen werden (über die man z.B. kondolieren oder sogar digital Kerzen anzünden kann) oder auch die Ruhestätten selbst aufgerufen werden. In einer Zeit, in der Mobilität immer wichtiger wird und Menschen häufig umziehen, kann dies eine Möglichkeit sein, den Verstorbenen in Zusammenhang mit ihrer Grabstätte gedenken zu können ohne Deutschland- oder womöglich gar Weltreisen unternehmen zu müssen. Sofern solche Informationen zugänglich sind und dauerhaft online gestellt werden, können sie natürlich auch für Ahnenforscher hilfreich werden. Schon länger gibt es ja auch Zusammenstellungen von abfotografierten Grabsteinen (z.B. hier), um Informationen online verfügbar zu machen und auch langfristig erhalten zu können, nachdem Grabstätten abgeräumt wurden.

Aber kommen wir noch einmal auf das Thema Mobilität zurück. Ein für die Ahnenforschung leider weniger hilfreicher Trend, ist der, sich anonym bestatten zu lassen. Gründe hierfür sind wohl häufig finanzieller Natur. Tatsächlich dürfte es aber eben auch eine Rolle spielen, dass viele Menschen heute sehr viel mobiler leben (müssen). Kinder und Enkelkinder sind entsprechend nicht unbedingt in der Nähe, um sich um die Grabstellen kümmern zu können. Etwas persönlicher als eine anonyme Bestattung ist immerhin eine teilanonyme Lösung in Urnengemeinschaften. Hier findet sich in der Regel mindestens eine Namensliste der vor Ort bestatteten. Neue Informationen für Ahnenforscher bieten diese aber natürlich nicht.

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2 Kommentare

Beyond History

18. September 2017

Immer wieder gerne! :-)


Johanna

17. September 2017

interessanter Artikel! Ich habe mir erlaubt, ihn auf unserer Facebook-Seite zu teilen :-)