Beyond History Blog

Hagenbeck - eine Hamburger Institution - Teil 1

Avatar of Andrea Bentschneider Andrea Bentschneider - 06. Juli 2016 - Allgemein, Wissen, Auswanderung, Historische Dokumente, Historische Ereignisse, Hamburg

In Hamburg singt man: "Geh'n wir mal zu Hagenbeck...." und jeder weiß, dass es in den Zoo geht. Wobei Hagenbeck genaugenommen ein Tierpark ist: Die Gehege sind nicht nur in einer großen Parklandschaft inklusive Seen und künstlichen Bergen angelegt, auch das Konzept der artgerechteren Haltung in Freigehegen wurde 1896 von Carl Hagenbeck entwickelt und später sogar patentiert. 

Was ursprünglich 1848 als kleines Tiergeschäft mit 6 Seehunden begann, mauserte sich über die Jahre zum Tierpark, der im Jahr 1907 am heutigen Standort in Hamburg-Stellingen eröffnet wurde.

Mittlerweile wurde aus "Hagenbecks Tierpark" der Tierpark Hagenbeck mit verschiedenen Attraktionen wie dem Eismeer und Tropenaquarium.

Neben den Tieren war Hagenbeck auch noch für etwas anderes bekannt: die Völkerschauen. In einem Zeitalter als noch nicht jeder lesen konnte und Bücher zuhause hatte, als es noch keine Kinos und Fernseher gab, sollte so den Hamburgern die Möglichkeit gegeben werden, andere, vermeintlich "wilde" Kulturen wie Inuit, Samen sowie indigene Völker Afrikas und Amerikas bei Hagenbeck zu "bestaunen".

Diese heute stark kritisierten "Ausstellungen" sind der Grund für folgende Besonderheit in den Hamburger Passagierlisten.

Am 02. Oktober 1910 verlässt der deutsche Dampfer "President Lincoln" den Hamburger Hafen in Richtung New York mit einer Gruppe Passagiere an Bord, die ungewöhnliche Namen tragen und deren letzter Wohnort vor der Abreise als Hamburg-Stellingen angegeben wurde:

Joseph Little Elk  [Joseph kleiner Elch]
Thomas Yellow Thunder [Thomas gelber Donner]
Louise Day Woman [Louise Tagfrau]
Samuel Little Wolf [Samuel kleiner Wolf]
John Lame Dog [John lahmer Hund]
Emil Afraid of Hawk [Emil hat Angst vor dem Falken]
Larry Sitting Hawk [Larry sitzender Falke]

Hierbei handelte es sich offensichtlich um mehrere Angehörige eines Stammes nordamerikanischer Ureinwohner, die nach einer Völkerschau bei Hagenbeck zurück in die Heimat reisten.

Glücklicherweise sind derartige Zurschaustellungen heute in Deutschland undenkbar. Die erhaltenen Passagierlisten bleiben jedoch eins der wenigen Zeugnisse dieses Kapitels der Hamburger Geschichte.

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare