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John D. Rockefeller – ein Mann mit vielen Facetten

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 23. Mai 2017 - Allgemein, Persönlichkeiten, Wissen, Auswanderung

Am 23. Mai 1937 starb John Davison Rockefeller Sr. mit 97 Jahren in Ormond Beach (Florida). Der Geschäftsmann mit deutschen Wurzeln war der erste Milliardär der Welt (in US-Dollar). Berücksichtigt man nicht nur die Inflation sondern auch den Anteil an Amerikas Wirtschaftskraft, ist er laut Forbes sogar der reichste Mann der Geschichte. Bis heute erinnert man sich an seine skrupellosen Geschäftspraktiken, aber auch an seine Wohltätigkeit.

 

Der amerikanische Traum

John D. Rockefeller wurde am 8. Juli 1839 in Richford (New York) geboren. Seine Eltern William Avery Rockefeller und Eliza Davison waren nicht reich. Sein Vater war ein Hausierer, der sein Geld mit Schwindeleien verdiente. Er hatte offenbar Affären, Probleme mit dem Gesetz und später sogar eine zweite Ehefrau unter falschem Namen. Da er oft weg war, arbeitete die Mutter hart für den Lebensunterhalt der Familie. Sie war Baptistin und erzog ihre Kinder im christlichen Glauben.

Bereits früh begann Rockefeller sich etwas dazu zu verdienen, indem er etwas an seine Nachbarn verkaufte, Dienstleistungen erbrachte oder sogar Geld verlieh. Mit 16 Jahren verließ er die Schule und wurde Buchhalter. Mit nur 19 Jahren, im Jahr 1859, gründete er gemeinsam mit Maurice Clark ein kleines Handelshaus, das später auch ins Ölgeschäft einstieg. Samuel Andrews wurde Teilhaber. 1865 kam es zu Meinungsverschiedenheiten und Rockefeller übernahm die Firma komplett. Wieder machte er Samuel Andrews zu seinem Partner. 1870 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder William, Samuel Andrews, Henry M. Flagler, S.V. Harkness und anderen die Standard Oil Company.

Rockefeller war damit früh an dem Geschäft mit Erdöl beteiligt. Erst mit der Patentierung von Petroleum im Jahr 1855 war es zu einem großen Geschäft geworden. Rockefeller wollte sich aber nicht darauf verlassen, Öl zu finden, sondern sah das Potential in der Weiterbverarbeitung. Das Geschäft warf viel Geld ab und Rockefeller investierte weiter, nahm hierzu selbst große Kredite auf. Systematisch wurden Mitkonkurrenten teilweise über Drittfirmen aufgekauft. Zu Höchstzeiten sollen 90% des amerikanischen Ölmarktes kontrolliert worden sein. 1882 wurden die verschiedenen Unternehmen in den Standard Oil Trust zusammengefasst. In der Öffentlichkeit regte sich Widerstand und auch von Seiten des Gesetzgebers wurden mit Antitrustgesetzen Maßnahmen ergriffen. Doch erst 1911 gelang die endgültige Zerschlagung des Unternehmenskomplexes in über 30 einzelne Firmen. Nachfolger dieser Firmen sind unter anderem ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips. Bereits 1896 ging Rockefeller in den Ruhestand, war aber noch bis 1911 offiziell Präsident der Firma. Seinem Reichtum tat die Zerschlagung keinen Abbruch.

 

Ein skrupelloser Wohltäter

Heute erinnert man sich an Rockefeller nicht nur aufgrund seines Reichtums. Tatsächlich vereinte er in seiner Person zwei recht gegensätzliche Eigenschaften. Zum einen ist er bis heute bekannt für seine skrupellosen Geschäftspraktiken: Konkurrenten wurden mit häufig auch unlauteren Mitteln zum Verkauf gedrängt oder in den Ruin getrieben, um eine Monopolstellung zu erreichen.

Zum anderen war er ein großer Wohltäter, der für unterschiedliche Zwecke Geld gespendet hat. Er war offenbar der Ansicht, möglichst viel Geld verdienen zu müssen, um anschließend auch möglichst viel geben zu können. Schon früh begann der gläubige Baptist damit, einen Teil seines Einkommens zu spenden. Nachdem er in den Ruhestand gegangen war, widmete er sich verstärkt wohltätigen Zwecken. Dabei engagierte er sich vor allem für die Bildung und den medizinischen Fortschritt. Der Philanthrop Rockefeller war unter anderem an der Gründung der University of Chicago beteiligt, gründete das Rockefeller Institute for Medical Research (heute Rockefeller University) und die Rockefeller Foundation.

 

Nachfahren

Rockefeller hatte mit seiner Frau Laura Celestia, geb. Spelman fünf Kinder, von denen eines im Kindesalter starb. Um nur kurz die Erfolge einiger seiner Nachfahren zu nennen: Sein Sohn John D. Rockefeller Jr. ließ das Rockefeller Center erbauen, das nach ihm benannt ist. Dessen Sohn Nelson A. Rockefeller war Vizepräsident der USA unter Gerald Ford, sein Bruder David Rockefeller spielte eine wichtige Rolle bei der Chase National Bank.

 

Die deutschen Vorfahren

Der älteste heute bekannte Vorfahr Rockefellers war Goddard (oder Gotthart) Rockenfeller, der 1590 in Fahr am Rhein (mittlerweile zu Neuwied gehörig) im heutigen Rheinland-Pfalz geboren wurde. Sein Enkel Johann Peter Rockenfeller wanderte 1723 von Deutschland nach Amerika aus. Er ließ sich gemeinsam mit Frau und Kindern in Germantown (Pennsylvania) nieder und nannte sich fortan Rockefeller. Das war der Ur-Urgroßvater von John D. Rockefeller Sr..

Der Nachname bezieht sich offenbar auf den Ort Rockenfeld im Landkreis Neuwied, der in den 1960er Jahren aufgegeben wurde. In der Region leben bis heute viele Menschen mit dem Namen Rockenfeller (oder Variationen davon).

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