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Mit dem Ziel, die bestmöglichen Flügel und Klaviere zu bauen

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 15. Februar 2017 - Allgemein, Auswanderung, Geburstag, Hamburg, Persönlichkeiten

Am 15. Februar 1797, wurde Heinrich Engelhard Steinweg in Wolfshagen im Harz geboren. Können Sie es sich bereits denken? Der später als Henry E. Steinway bekannte Gründer einer der führenden Flügel- und Klavierhersteller der Welt, Steinway & Sons, war ein deutscher Auswanderer.

Der mit 15 Jahren verwaiste Heinrich arbeitete zunächst als Tischler und Orgelbauer und gründete 1825 seine eigene Werkstatt in Seesen. Da er in dieser nur Reparaturen an Instrumenten vornehmen durfte, entstand sein erster Flügel einer Legende zufolge 1836 in der Küche seines Wohnhauses (der sogenannte „Küchenflügel“). Bis 1850 hatte er bereits 482 Instrumente auf den Markt gebracht.

 

Aufbruch nach Amerika

Trotz dieses gut laufenden Geschäfts beschloss die Familie nach Amerika auszuwandern. Damit war sie keinesfalls alleine, kam es im 19. Jahrhundert doch zu Massenauswanderungen aus Deutschland vor allem in die Vereinigten Staaten. 1846-1849 verließen alleine 2.000 Personen das Herzogtum Braunschweig. Einer der Gründe für den Schritt der Steinwegs könnte die problematische Zoll-Situation zwischen dem Herzogtum Braunschweig, zu dem Seesen gehörte, und dem Königreich Hannover gewesen sein. Diese führte wohl zu Schwierigkeiten beim Vertrieb der Instrumente.

Am 29. Juni 1850 erreichte die Familie New York und ließ sich dort nieder. Ein Sohn, Karl, war bereits 1849 vorgefahren. Ein anderer Sohn, C. F. Theodor, blieb in Deutschland und führte das Familiengeschäft vorerst weiter. In New York arbeiteten Heinrich und seine Söhne bei verschiedenen Klavierherstellern, wohl auch um sich mit dem lokalen Markt vertraut zu machen. Aus dem deutschen Nachnamen Steinweg wurde schnell Steinway und auch die Vornamen wurden anglisiert.

 

Innovation und Vermarktung eines Familienbetriebs – Die Schlüssel zum Erfolg

Bereits am 5. März 1853 gründete Henry  E. Steinway mit seinen Söhnen wieder eine eigene Firma. Steinway & Sons wurde schnell erfolgreich. 1860 entstand das erste große Fabrikgebäude in Manhattan, 1870 folgte ein weiteres in Astoria, heute ein Teil von Queens. Dort wird bis heute produziert. Als die Brüder Henry Jr. (Heinrich) und Charles (Karl) starben, kam Theodore (Theodor) 1865 aus Deutschland und unterstützte seine Brüder William (Wilhelm) und Albert im Familiengeschäft.

Zuvor, 1857, wurde das erste Patent angemeldet. Es folgten viele weitere, bis heute 128. Auf Theodore entfielen alleine 45 davon. Diese technischen Neuerungen begründeten zu einem großen Teil den Erfolg des Unternehmens. Ganz im Sinne der Maxime: „To build the best piano possible.“

Aber auch das große Marketinggeschick Williams trug zum Erfolg bei. Er war es, der 1866 die erste Steinway Hall in New York gründete. Neben Verkaufsräumen gab es auch einen großen Konzertsaal, der schnell zu einer der wichtigsten Veranstaltungsstätten der Stadt wurde. William holte zudem bekannte europäische Musiker nach Amerika und schickte sie auf Tourneen, selbstverständlich spielten sie Steinway-Flügel und -Klaviere. Daraus entstanden die „Steinway Artists“, die sich bis heute verpflichten, nur auf Steinway-Instrumenten zu spielen.

Am 7. Februar 1871 starb Henry E. Steinway im Alter von fast 74 Jahren in New York. Steinway & Sons blieb ein Familienbetrieb bis Henrys Urenkel ihn 1972 verkaufte.

 

Von Hamburg in den Rest der Welt

Hamburg hat seit 1880 eine enge Verbindung zu Steinway & Sons. Damals wurde die erste Fabrik in der Schanzenstraße eröffnet. 1928 eine weitere, größere in Hamburg-Bahrenfeld. Bis heute ist dies die einzige Produktionsstätte von Steinway-Instrumenten außerhalb Amerikas. Die Wahl fiel wohl nicht zuletzt aufgrund des Freihafens und der deutschen Wurzeln der Familie auf die Stadt. Die New Yorker Fabrik beliefert seither den amerikanischen Markt, Hamburg den „Rest der Welt“. Optisch unterscheiden sich die Instrumente leicht und häufig werden ihnen auch unterschiedliche Klangqualitäten zugeschrieben. Aber beide haben ihre Fans. 

 

 

 

Übrigens auch für uns als Ahnenforscher spannend (manchmal befassen wir uns schließlich nicht nur mit der Geschichte von Menschen sondern auch von Gegenständen): Jeder Steinway-Flügel und jedes Steinway-Klavier hat eine einmalige Seriennummer. Anhand dieser kann man bis heute Informationen zum Modell, der Ausführung, der Größe, dem Gewicht, dem Produktionszeitraum und -ort sowie dem Verkauf erhalten. Somit ist jedes Instrument von Steinway ebenso einzigartig wie jeder Mensch, über den wir hier berichten.

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2 Kommentare

Beyond History

31. Juli 2017

Grotrian-Steinweg

Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang. Friedrich Grotrian war 1858 Partner in der von Heinrich Steinweg in Deutschland gegründeten Pianomanufaktur geworden, als dieser bereits in Amerika war. Als auch der letzte Sohn, Theodor Steinweg, der die Firma weitergeführt hatte, 1865 nach Amerika ging, verkaufte er seine Geschäftsanteile an die Familie Grotrian. Es handelt sich also praktisch um den Nachfolger der ursprünglichen Firma Heinrich Steinwegs.

Das lässt sich übrigens auch auf der Firmenseite von Grotrian-Steinweg nachlesen: www.grotrian.de/unternehmen/firmengeschichte/geschichte/


Ralf Potten

26. Juli 2017

Grotrian Steinweg

Eine weitere sehr bedeutende Klavier- und Flügelbaufirma ist dias deutsche Unternehmen Grotrian-Steinweg. Der zweite Name im Firmennamen legt nahe, dass es ebenfalls Beziehungen zur Familie Steinweg / Steinway gibt. Ist darüber etwas Näheres bekannt?