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Friedrich Hecker - Von der deutschen Revolution zum Amerikanischen Bürgerkrieg

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 02. September 2018 - Allgemein, Auswanderung, Historische Ereignisse, Persönlichkeiten, Wissen

Friedrich Hecker war eines der Gesichter der deutschen Revolution von 1848/1849. Wie viele seiner Mitstreiter wanderte er nach dem Scheitern der Revolution oder einzelner Aufstände aus. Am 20. September 1848 bestieg er in Le Havre ein Schiff nach New York und ließ sich als Farmer in Illinois nieder. Er kämpfte unter anderem im Amerikanischen Bürgerkrieg (Sezessionskrieg).

 

Friedrich Hecker und die deutsche Revolution von 1848/1849

Der Sohn eines Beamten wurde am 28. September 1811 als Friedrich Karl Franz Hecker in Eichtersheim im Großherzogtum Baden geboren. Später studierte er Jura und promovierte an der Universität Heidelberg.

Angefacht durch die Februarrevolution 1848 in Frankreich, nahm die Revolution in Deutschland im Großherzogtum Baden ihren Anfang. Friedrich Hecker unterstützte nicht nur den liberalen, bürgerlich-demokratischen Aufstand, der demokratische Reformen und die Einheit des Landes forderte - während der Anfangsphase der deutschen Revolution von 1848/1849 spielte er als einer der Vertreter des radikaldemokratischen Flügels selbst eine wichtige Rolle. Besonders in seiner Heimat Baden gab einen regelrechten Personenkult um ihn. Noch heute ist beispielsweise der „Heckerhut“ ein Begriff.

Enttäuscht vom Frankfurter Vorparlament rief er im April 1848 u.a. gemeinsam mit Gustav Struve zu einem Revolutionszug vom liberalen Konstanz zur Residenz in Karlsruhe auf. Dieser ging als „Heckerzug“ in die Geschichte ein. Er wurde bei Kandern von Truppen des Deutschen Bundes gestoppt.

 

Heckers Emigration und die „Forty-Eighters“

Hecker floh nach der Niederlage zunächst nach Muttenz bei Basel. Von dort reiste er nach Straßburg und weiter nach Le Havre. Am 20. September 1848 bestieg er dort ein Schiff nach New York und wanderte aus.

In Illinois erwarb er eine Farm, die lebenslang in seinem Besitz blieb. 1849 kehrte er noch einmal nach Baden zurück, um die badische Revolution zu unterstützen. Doch diese wurde bereits kurze Zeit später niedergeschlagen. Er kehrte daher seiner Heimat erneut den Rücken.

Die meisten deutschen Auswanderer flüchteten im 19. Jahrhundert vor schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in ihrer Heimat. Politisch verfolgte machten nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Auswanderer aus. In den USA sind jedoch die sogenannten „Forty-Eighters“ („Achtundvierziger“), also die Aktivisten der Revolution, besonders in Erinnerung geblieben. Dies liegt wohl u.a. daran, dass sie in ihrer neuen Heimat häufig politisch und gesellschaftlich engagierten. Im Zuge des Amerikanischen Bürgerkrieges (Sezessionskrieg) von 1861 bis 1865 kämpften viele Achtundvierziger auf der Seite von Abraham Lincoln also für die Union (Nordstaaten). Hier konnten sie erneut für die Werte Freiheit (Abschaffung der Sklaverei) und Einheit (des Landes) kämpfen. Es gab jedoch auch Achtundsechziger, die auf der Gegenseite, also für die Konföderierten (Südstaaten) kämpften.

Generell nahmen viele Deutsche am Amerikanischen Bürgerkrieg teil. Es gab eigene deutsche Regimenter und besonders aus New York, Ohio, Pennsylvania, Illinois, Indiana, Missouri und Wisconsin kamen viele deutsche Soldaten. Insgesamt kämpften wohl um die 200.000 Deutsche auf der Seite der Union. Hiervon dürfte nur ein Bruchteil zu den „Forty-Eighters“ zu zählen sein, allerdings bekleideten sie häufig militärische Führungspositionen.

Auch Friedrich Hecker hatte sich bereits ab 1856 in der Republikanischen Partei von Illinois engagiert und war dort Wahlmann. Für den Bürgerkrieg meldete er sich freiwillig gemeinsam mit seinem Sohn. Zeitweise fungierte er als Oberst.

Hecker überlebte den Krieg und besuchte 1873 noch einmal seine Heimat Baden. Er starb am 24. März 1881 auf seiner Farm in Illinois.

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