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Die Deutschen und ihr Bier – Teil 3

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 02. Mai 2017 - Allgemein, Auswanderung, Berufe, Persönlichkeiten, Wissen

Eines der bekanntesten Brauereiunternehmen weltweit ist ohne Frage Anheuser-Busch. Mittlerweile gehört die amerikanische Brauerei zu dem internationalen Konzern Anheuser-Busch InBev (ABInBev). Ebenso wie verschiedene deutsche Biermarken wie Beck’s, Franziskaner Weißbier, Hasseröder, Diebels oder Löwenbräu. Ihren Ursprung hat die Brauerei in den 1850er Jahren in St. Louis (Missouri).  1860 wurde sie von Eberhard Anheuser und einem Partner übernommen. Anheuser starb 20 Jahre später, am 2. Mai 1880 in St. Louis.

 

Die Anfänge

Bereits 1852 wurde die kleine Bavarian Brewery von dem Deutschen Georg Schneider in St. Louis gegründet. 1857 musste er aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufen. Eberhard Anheuser begann 1858 in die Brauerei zu investieren und übernahm sie schließlich 1860 gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner William D’Oench komplett. Sie wurde damals in E. Anheuser & Co. umbenannt.

Es handelte sich jedoch nicht um die einzige Unternehmung des Deutschen, der am 27. September 1806 in Kreuznach (damals von den Franzosen besetzt, heute Rheinland-Pfalz) geboren wurde. Die Familie Anheuser hat dort seit 1627 ein Weingut, das heute in der 14. Generation von Rudolf und Paul Anheuser geführt wird. Eberhard Anheuser war jedoch 1843 nach Amerika ausgewandert, wo er sich zuerst in Cincinnati (Ohio) niederließ. Dorthin folgten ihm seine Frau und Kinder. 1845 ließ er sich endgültig in St. Louis nieder, wo er in der Seifenfabrik von D’Oench arbeitete, der aus dem preußischen Schlesien eingewandert war. 1852 verließ er die Fabrik und wurde nacheinander Partner in zwei weiteren Seifen- und Kerzenfabriken. 1862 gründete er zuletzt gemeinsam mit seinem Sohn William den Familienbetrieb E. Anheuser & Son. Zu diesem Zeitpunkt war Anheuser parallel bereits Teilhaber der Brauerei. Nur 5 Jahre später wurde die Firma aufgelöst, als William gemeinsam mit einem anderen deutschen Einwanderer sein eigenes Unternehmen gründete.

Die Brauerei blieb ein kleines Unternehmen, das sein Potential nicht voll nutzte. Der Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 wirkte sich zwar auch Nachteilig auf das Geschäft aus, brachte aber gleichzeitig mit den Truppen auch viele Abnehmer nach St. Louis.

 

Aufstieg zum nationalen Unternehmen unter Adolphus Busch

Anheusers Brauerei wurde unter anderem von Adolphus Busch beliefert. Er heiratete 1861 dessen Tochter Lilly in einer Doppelhochzeit mit seinem Bruder Ulrich, der eine andere Tochter Anheusers zur Frau nahm. Später stieg Adolphus Busch in das Brauereigeschäft seines Schwiegervaters ein und verwandelte es in das große nationale Unternehmen, das es um die Jahrhundertwende werden sollte.

Adolphus Busch wurde am 10. Juli 1839 in Kastel (Hessen) als Sohn eines Händlers für Wein und Brauereibedarf geboren. 1857 entschloss er sich gemeinsam mit drei weiteren Brüdern zur Auswanderung. Busch ließ sich in St. Louis nieder, wo er erst als Angestellter in einem Großhandelshaus arbeitete und später in die Großhandelsfirma von Ernst Wattenberg einstieg. 1865 übernahm er das Geschäft und führte es als Großhandelshaus für Brauereibedarf Adolphus Busch & Co. weiter.

Bereits 1864 war er auch in die Brauerei seines Schwiegervaters eingestiegen. Wohl schon im nächsten Jahr dürfte er den Anteil von D‘Oench übernommen haben. Bis 1869 führte er beide Geschäfte parallel. Erst dann verkaufte er seine Anteile am Großhandelshaus. Busch war offenbar die treibende Kraft in der Brauerei, auch wenn Anheusers Einfluss bis 1877 spürbar blieb. Dennoch wurde das Unternehmen 1875 erst einmal in E. Anheuser Brewing Association und erst 1879 in Anheuser-Busch Brewing Association umbenannt. Im Folgejahr wurde Busch nach Anheusers Tod auch Präsident der Brauerei. Er leitete die Firma bis zu seinem Tod am 10. Oktober 1913 in Lindschied (Preußen, heute Hessen). Sein Sarg wurde 1915 per Bahn und Schiff nach St. Louis überführt, wo er bestattet wurde.

 

Unter Busch expandierte das Unternehmen kontinuierlich. Er erweiterte den Markt, erst in Richtung Südwesten, und bereits 1878 auch landesweit und international. Und er führte wichtige Innovationen ein wie Kühlsysteme und die Pasteurisierung von Flaschenbier, die diese Marterweiterung durch eine überhaupt erst ermöglichten. Ende der 1870er/Anfang der 1880er Jahre ließ Busch als erster ein Netzwerk von Kühlhäusern entlang des Schienennetzes errichten und setzte Eisenbahnwaggons mit Kühlung ein. Auch das Schienennetz um St. Louis geht zu einem nicht unbedeutenden Teil auf ihn zurück. 1897 kaufte Busch zudem die amerikanischen Herstellungsrechte zum Bau des gerade erfundenen Dieselmotors. Ein Jahr später ließ er als Präsident der Diesel Motor Company of America den ersten amerikanischen Dieselmotor bauen. Bereits 1910 investierte er in motorisierte Lieferwagen zur Auslieferung. 1920 stellte das Unternehmen darauf aufbauend bereits in großen Stückzahlen seine eigenen Wagen her.

Auch die bekannteste Biermarke des Unternehmens wurde unter Adolphus Busch eingeführt. 1876 kreierte er gemeinsam mit Carl Conrad das Budweiser oder Bud. 1891 wurde alle Rechte an dem Bier von Carl Conrad erworben und seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch der Erwerb der weltweiten Rechte angestrebt. Dabei kam es immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten mit der tschechischen Budvar-Brauerei aus Budweis, die 1895 gegründet wurde. 1917 wurde festgelegt, dass der Name Budweiser von Anheuser-Busch nur in Nordamerika genutzt werden durfte, für den europäischen Markt wird die Kurzform Bud verwendet.

 

Sowohl Eberhard Anheuser als auch Adolphus Busch waren wichtige Mitglieder der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft, die Geld spendeten und Vorhaben wie das Saengerfest in St. Louis (Anheuser) oder das Germanic Museum der Harvard University (Busch) unterstützten. Busch spendete zudem 1882 Geld für die Betroffenen des Rheinhochwassers in seinem Geburtsort Kastel.

 

Prohibition und darüber hinaus

Nach dem Tod seines Vaters wurde August A. Busch Sr. 1913 neuer Präsident der Firma. Er führte das Unternehmen durch die Prohibition während der mehr als 25 verschiedene Produkte produziert wurden, darunter alkoholfreie Getränke, LKW-Aufbauten und Eiscreme sowie Bevo, eine Art „near beer“.

Nach der Prohibition folgte der weitere Aufstieg der Brauerei unter verschiedenen Busch-Nachfahren. Ab 1957 war Anheuser-Busch die größte US-Brauerei. 2008 wurde die amerikanische Brauerei von der InBev-Gruppe übernommen. Das Unternehmen firmiert seitdem als Anheuser-Busch InBev (ABInBev). Der Hauptsitz ist in Löwen, Belgien, der Sitz der Brauerei befindet sich weiterhin in St. Louis. Das Unternehmen ist damit die größte Brauereigruppe weltweit mit über 500 Biermarken. 2016 wurde eine Gesamtmenge von 433,9 Millionen Hektolitern Bier produziert.

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