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Überschwemmt… Katastrophale Einflüsse auf die Ahnenforschung

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 28. Februar 2017 - Allgemein, Archive, Vereine, Museen, Hamburg, Historische Ereignisse

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 führte der Orkan Vincinette zu einer Sturmflut an der Nordseeküste. Hamburg wurde besonders schwer getroffen, die Vorwarnsysteme versagten und die Gefahr wurde nicht ernst genommen. So überraschte das Wasser die Hamburger im Schlaf. 315 Menschen starben alleine in der Hansestadt (von 340 Menschen insgesamt).

Zerstört wurden auch Dokumente, die uns heute bei der Ahnenforschung helfen könnten. Das Staatsarchiv als solches blieb glücklicherweise verschont, das Registraturgut einiger Ämter war jedoch betroffen, beispielsweise des Organisationsamtes, des Strom- und Hafenbauamtes und der Oberfinanzdirektion. Nicht abzuschätzen ist auch, wie viele Akten in Privatunternehmen verloren gingen. Wer bei entsprechenden Unternehmen Informationen zu Verwandten erhalten möchte, die dort vor 1962 gearbeitet haben, kann unter Umständen enttäuscht werden.

Die Sturmflut war dabei weder die erste noch die letzte Natur- bzw. durch Menschen verursachte Katastrophe, die uns heute bei der Ahnenforschung Probleme bereiten kann. Man denke an die Verluste durch den Zweiten Weltkrieg oder den Dreißigjährigen Krieg, den Großen Brand in Hamburg 1842 oder den Einsturz des Historischen Archivs in Köln 2009. Auch die Flut an der Oder 1997 hat die, durch den Zweiten Weltkrieg ohnehin schwierige, Quellenlage für Schlesien noch komplizierter gemacht. 

 

Von Datenflut bis Fehlerteufel – Katastrophenschutz durch Kopie

Kein Wunder also, dass versucht wird, Vorkehrungen zum Schutz von Archivgut zu treffen. Leider kann man die Originalbestände nicht vor jeder Bedrohung zuverlässig schützen. Daher gehört heute auch die Digitalisierung zu den wichtigen Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus dient sie der einfacheren Zugänglichmachung der Dokumente. Sie birgt aber auch viele Herausforderungen und muss sich z.B. neben einer rückwirkend zu digitalisierenden enormen Datenmenge auch der Anforderung einer langfristigen Lesbarkeit der Daten stellen. Wer noch alte Disketten (oder gar Floppy-Disks oder Datasetten) zuhause hat, weiß, wie schwierig es heute sein kann, an die Daten zu gelangen. Sei es aufgrund fehlender Lesegeräte, beschädigter Speicher oder alter Dateiformate.

Aber nicht erst heute werden Kopien angefertigt. Die für die Ahnenforschung wichtigen Kirchenbücher wurden bereits seit dem 18. Jahrhundert häufig jährlich kopiert, d.h. noch einmal abgeschrieben (sogenannte Zweitschriften oder Dublikate). Dies diente zum einen wohl der Kontrolle und als staatliche Quelle, zum anderen als Vorsichtsmaßnahme, also dem Schutz der Informationen vor Feuer, Krieg und anderen Katastrophen. So großartig dies für uns heute ist, können solche Zweitschriften auch ganz eigene Herausforderungen mit sich bringen. Da es sich um handschriftliche Abschriften handelt, kommt es häufig zu Abweichungen im Vergleich zu den Originalkirchenbüchern. Unleserliche Handschriften und Unachtsamkeiten sind dabei nur ein Teil des Problems. Häufig finden sich weniger Informationen und Details in den Zweitschriften der Kirchenbücher. Interessanterweise kommt aber auch das Gegenteil vor. Ein vergleichsweise kleines Problem stellt die mitunter abweichende Schriftgröße dar, die dazu führen kann, dass sich Seitenzahlen verschieben. Wird also eine Zweitschrift zitiert und man schaut in der Erstschrift nach, können die Seitenzahlen deutlich variieren. Wichtig ist also immer, festzuhalten, mit welcher Quelle man gearbeitet hat.

Wir Ahnenforscher sind natürlich trotzdem für jede Zweitschrift dankbar, ermöglicht sie es uns doch häufig als Einzige, heute noch die Geburt, die Heirat oder den Tod einer Person nachzuvollziehen. Ohne Frage ist auch durch die Digitalisierung unsere Arbeit ein wenig einfacher geworden. Am Original forschen zu können, ist und bleibt aber dennoch etwas ganz besonderes.

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