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Oh du fröhliche… Deutsche Weihnachtsmärkte

Avatar of Heike Leiacker Heike Leiacker - 27. November 2017 - Allgemein, Feiertage, Hamburg, Traditionen, Wissen

Es ist wieder so weit, in Deutschland eröffnen so langsam die Weihnachtsmärkte. Auch in Hamburg startet heute auf vielen der großen und kleinen Weihnachtsmärkte in den verschiedenen Stadtteilen die Saison. Aber nicht nur hier sind die gemütlichen Märkte beliebt, die zum Glühweintrinken und Essen ebenso einladen wie zum Bummeln und Geschenke einkaufen. Der deutsche Weihnachtsmarkt ist, ähnlich wie das Oktoberfest, ein wahrer Exportschlager.

 

Tatsächlich eine deutsche Tradition

Vielleicht ist es vielen Deutschen gar nicht bewusst, aber Weihnachtsmärkte kommen tatsächlich aus Deutschland. Sie gehen auf spätmittelalterliche Verkaufsmessen sowie oft nur eintägige Märkte zurück, die der Bevölkerung die Gelegenheit gaben, alles zu kaufen, was sie für den Winter benötigte (wie z.B. Lebensmittel oder warme Kleidung). Seit dem 14 Jahrhundert wurden auch Spielzeuge, Körbe und Zuckerbäckereien auf den Märkten verkauft. Und auch Kastanien, Nüsse und Mandeln gehörten schon zum Sortiment. Bereits 1310 wurde in München erstmals ein Nikolausmarkt urkundlich erwähnt.

Der älteste urkundlich erwähnte und noch am gleichen Ort bestehende Weihnachtsmarkt Deutschlands ist der Dresdner Striezelmarkt. Zum ersten Mal wurde er 1434 auf dem Dresdner Altmarkt durchgeführt und dauerte damals nur einen Tag. Zu Beginn handelte es sich um einen Fleischmarkt. Der Name Striezelmarkt geht übrigens auf die heute als „Dresdner Christstollen“ bekannten Backwaren zurück, die früher als Strutzel oder Striezel bezeichnet wurden.

 

Auch der Weihnachtsmarkt in Frankfurt am Main blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits seit 1393 lassen sich weihnachtliche Märkte in der Stadt nachweisen. Sie fanden oft in Kombination mit kirchlichen Mysterienspielen auf dem Römerberg statt.

Der bekannteste deutsche Weihnachtsmarkt ist heute aber sicherlich der Nürnberger Christkindlesmarkt. Eine vorweihnachtliche Verkaufsmesse gab es wohl ab spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts, eine namentliche Nennung des „Kindles-Marck“ stammt von 1628.

 

Auch in den Nachbarländern Deutschlands gab es früh entsprechende Messen und Märkte. In Wien ist erstmals 1382 ein Wintermarkt belegt. Der älteste Weihnachtsmarkt Frankreichs ist der Christkindelsmärik in Straßburg, der seit 1570 belegt ist.

 

Für jeden etwas dabei – oder nicht?

Natürlich hat auch Hamburg in Bezug auf Weihnachtsmärkte einiges zu bieten. Fast jeder Stadtteil hat seinen eigenen Markt. Gefühlt kommen jährlich neue hinzu. Es gibt die großen, die neben Glühwein und verschiedenen deftigen und süßen Leckereien viele Verkaufsstände zu bieten haben. Aber auch kleine, die aus sehr wenigen Buden bestehen. Manche sind kommerzieller, andere alternativer. Manche legen einen Schwerpunkt auf ökologische oder regionale Produkte, andere werden unter ein Thema gestellt. Der Weihnachtsmarkt Santa Pauli auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli bezeichnet sich zum Beispiel selbst als „Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt“ und nimmt Bezug auf das Image des Stadtteils als frivoler Kiez. Teilweise gibt es auch Eislaufbahnen oder Fahrgeschäfte. Und in vielen Städten werden historische, vor allem mittelalterliche Märkte veranstaltet. Kurz gesagt: für jeden Geschmack soll etwas dabei sein.

 

Ein regelrechter Weihnachtsmarkt-Tourismus hat sich entwickelt. Reisen zu Weihnachtsmärkten werden angeboten, innerhalb Deutschlands, aber auch aus dem Ausland. Weihnachtsmärkte generieren Milliardenumsätze und auch andere Branchen wie die Hotellerie, die Gastronomie oder der Einzelhandel profitieren davon.  Aber man kann die fast schon inflationäre Vervielfachung der Märkte auch negativ sehen. Der Anteil echten Handwerks geht zurück, viele Produkte werden importiert. Auch starten die Weihnachtsmärkte immer früher. Viele sogar bereits vor dem Totensonntag, einem Gedenktag für die Verstorbenen, der zu den sogenannten stillen (Feier-)tagen gehört und damit gesetzlichen Einschränkungen unterliegt.

 

Deutsche Weihnachtsmärkte in aller Welt

Ungebrochen ist in jedem Fall das Interesse aus dem Ausland. Deutsche Weihnachten und deutsche Weihnachtsmärkte sind für Viele ein Inbegriff für Gemütlichkeit. Sie werden verbunden mit Glühwein und Feuerzangenbowle, Nussknackern und Räuchermännchen (aus dem Erzgebirge), Lebkuchen und Christstollen.

Entsprechend ist der Weihnachtsmarkt ebenso wie das Oktoberfest zu einem Exportschlager geworden. Oft werden sie sogar ganz offiziell als Deutsche Weihnachtsmärkte bezeichnet und beworben. Häufig sind die Märkte ab den 1990er Jahren entstanden, nicht selten gehen sie auf Städtepartnerschaften zurück oder finden in Städten mit großer deutschstämmiger Community statt.

Aus der Vielzahl der Weihnachtsmärkte weltweit kann hier nur eine kleine Auswahl genannt werden:

 

  • Bereits 1982 eröffnete mit dem Lincoln Christmas Market der erste deutsche Weihnachtsmarkt in Großbritannien. Der Markt entstand im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Neustadt an der Weinstraße. Den Frankfurt Christmas Market Birmingham gibt es bereits seit 1997, auch hier besteht eine Städtepartnerschaft. Darüber hinaus gibt es viele weitere (deutsche) Weihnachtsmärkte auf der Insel.
  • Aber auch in den USA sind deutsche Weihnachtsmärkte sehr beliebt. Der trotz der Städtepartnerschaft mit Hamburg vom Nürnberger Christkindelmarkt inspirierte Christkindlmarket Chicago fand erstmals 1996 statt. Cincinnati hat gleich zwei deutsche Weihnachtsmärkte zu bieten, die durch deutsch-amerikanischen Gesellschaften organisiert werden: Den Germania Christkindlmarkt seit 1998 und den Cincideutsch Christkindlmarkt seit 2012.
  • Das kanadische Kitchener hat seit 1997 seinen eigenen Christkindl Market.
  • In Indien richtet die Deutsch-Indische Handelskammer bereits seit etwa 1998 den Delhi Christmas Market aus, 2006 kam das Mumbai Christmas Fest hinzu.
  • In Hamburgs japanischer Partnerstadt Osaka gibt es mit dem German Christmas Market Osaka seit 2002 einen deutschen Weihnachtsmarkt, der offenbar vom Konsulat unterstützt wird. Der German Christmas Market in Sapporo wurde ebenfalls erstmals 2002 durchgeführt, als das 30. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit München gefeiert wurde.
  • In China gibt es u.a. den von Paulaner ausgerichteten BLN Christkindlmarkt Shanghai seit 2007. Allerdings hat die Stadt gleich mehrere Weihnachtsmärkte, z.B. auch den Jingan Christkindlmarkt der Zeitgeist Bavarian Eatery & Bar. Von 2013 bis 2015 fand zudem aufgrund der Städtepartnerschaft ein Hamburg Christmas Market statt. Ursprünglich handelte es sich um ein Projekt von Hamburg Tourismus, das durch das Hamburg Liaison Office China durchgeführt wurde.
  • In Neuseeland findet seit 2009 der German Christmas Market Green Bay in Auckland statt.
  • Und in Australien gibt es neben verschiedenen großen, nicht unbedingt typisch deutschen Weihnachtsmärkten beispielsweise auch den Hahndorf Christkindlmarkt in einer der ersten deutschen Siedlungen des Landes.

  

Und wie geht es Ihnen, freuen Sie sich über den Beginn der Weihnachtsmarktsaison oder ist ihnen das alles viel zu viel? In jedem Fall wünschen wir Ihnen eine entspannte und besinnliche Vorweihnachtszeit!

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